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Die Graubünden-Route: mit dem Fahrrad zwischen Chur, Martina und Bellinzona

Im süd-östlichen Teil der Schweiz befindet sich der Kanton Graubünden. Es handelt sich um den größten Kanton der Schweiz; einer der wichtigsten Flüsse Europas, der Rhein, hat hier seinen Ursprung.

Graubünden Fahrrad Reiseroute
Die Schweiz wird von 9 nationalen Radrouten durchquert. Die Strecke von Graubünden ist die Nummer 6 und es gibt zwei Routenarme. Um einen besseren Einblick auf das Gebiet zu gewähren, startet die Route 6 aus der Mitte des Kanton, von der Stadt Chur aus und lässt dem Radfahrer zwei Möglichkeiten. Er kann sich in Richtung Nord-Osten (Chur – Martina) oder nach Süd-Westen (Chur – Bellinzona) wenden. Natürlich kann man auch von einem der beiden Zielpunkte starten. Da der Radweg Nr. 6 sich in der Nähe von Italien befindet (er verläuft immer nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt), ist er für die italienischen Radfahrer von besonderem Interesse. In dieser Gegend sind 60 % der Erwerbstätigen im Bereich des Tourismus beschäftigt. Diese Tatsache zeigt, wie gut hier Strukturen und Dienstleistungen für Touristen und ebenso für Radtouristen, entwickelt sind. Im Kanton wird hauptsächlich Deutsch und Raeto – Romanisch gesprochen, aber weiter im Süden auch Italienisch.

Der Kanton von Graubünden ist fast vollständig gebirgig. Auch wenn die zwei Strecken natürlicherweise so gut wie möglich dem Talboden folgen, sind Höhenunterschiede unvermeidlich; längs der Strecke Chur – Martina zum Beispiel ist eine Steigung von 17 km und 7 % Durchschnittssteigung (15 % maximal),  zwischen Chur und Bellinzona geht es 7 km den Berg hoch mit einer Neigung von 7 %; und auch an anderen Stellen gibt es Hügel und Rampen. Es ist wahr, dass man langsam überall ankommt, aber wenn Sie die Schweiz auf einer einfacheren Strecke entdecken wollen, empfehlen wir Ihnen, die Flüsse Rodano oder Aare entlang zu radeln: beides sind fast völlig flache Strecken. Die Route besteht fast ausschließlich aus  Ortsstraßen,  oft parallel  zu Straßen, die den meisten Verkehr aufnehmen. Der beste Zeitraum, um in diesem Gebiet zu radeln, ist von Mai bis Anfang September. In anderen Monaten  könnte man  Schnee und Kälte vorfinden, da man in der Tat Stellen  bis auf 2300 m Höhe erreicht.

Um nach Chur zu gelangen und um seine Reise nach den eigenen Wünschen zu organisieren, kann man die leistungsfähige Schweizer Bahn oder Autobusse benützen. Auf unserer Website unter “Der Transport von Fahrrädern im Zug innerhalb von  Europa“ können Sie mehr Informationen finden. Für andere Fragen bezüglich der Organisation kann die Website veloland.ch nützlich sein.

Landkarte Teilstrecke Chur – Martina

Höhenprofil Teilstrecke Chur – Martina

Graubünden Route Höhenprofil

Track GPS    –    Track KML

Beschreibung Teilstrecke Chur – Martina

Chur wird als die älteste Stadt der Schweiz angesehen. Sicherlich ist die strategische Position von Chur, eingebettet im Rheintal und  Kreuzungspunkt von verschiedenen Verbindugswegen über die Alpen, schon seit frühester Zeit ausschlaggebend für seine große Bedeutung. In der Tat beweisen Ausgrabungsfunde, dass es bereits in der Jungsteinzeit (etwa 3000 v. Chr.)  besiedelt war. Sollten Sie sich, bevor die Reise losgeht, dazu entschließen, eine Nacht hier zu verbringen, empfehlen wir Ihnen mit dem Rad die Arosastraße zu erklimmen. Von dort haben Sie einen schönen Ausblick auf die Altstadt, die fast vollständig für den Verkehr gesperrt ist. Abends sollten Sie es nicht versäumen, das traditionelle Bier, La Calanda, zu probieren.

Chur

Die Stadt Chur, von der Arosastraße aus gesehen

Die ersten 25 km sind für beide Strecken gleich: man verlässt Chur dem Rhein folgend in Richtung Süd-Westen. Auf der Höhe von Bonaduz (13 km) fließen  Vorder- und Hinterrhein zusammen und der Rhein entwickelt sich von hier langsam zu einem der größten Flüsse Europas. Man folgt dem Hinterrhein nach Süden, wo er noch seinen natürlichen Charakter zeigt. Die Kanalisierung des Flusses hat hier noch nicht stattgefunden und bei jeder Überschwemmung bildet er neue Krümmungen und Inseln und verändert so ständig seinen Anblick. Weiter geht es nach Richtung Süden bis in die Umgebung von Thusis, wo die Strecke sich verzweigt. Um nach Martina zu gelangen, wählt man das enge Tal auf der linken Seite (Osten), das vom Fluss Albula gegraben wurde. Hier beginnt die Straße nun etwas mehr anzusteigen, in einigen Stücken bis zu 7 – 8 %. Ab jetzt gibt es auf mehreren Kilometern keine Ansiedlungen mehr, bis das Tal sich wieder öffnet und von Dörfern besiedelt ist, von denen Tiefencastel das Zentrum ist. Die darauffolgende Wegstrecke wird von der mittelalterlichen Burgruine Belfort beherrscht.

burgruine belfort

Wenige Kilometer weiter zieht eine andere imposante Konstruktion die Aufmerksamkeit auf sich: ein Eisenbahnviadukt nicht weit von Filisur (47 km). Dies ist eine gute Stelle, um für eine Rast anzuhalten, denn hier  wendet sich das Tal vom Fluss Albula nach Süd-Osten, verengt sich  und steigt wieder an. Von 1000 Metern Höhe in Filisur führt die Straße  bis zum 2300 Meter hohen Albulapass und das auf einer 20 km langen Strecke, mit einer Durchschnittssteigung von 6,6%.  Die Schönheit der Landschaft hilft aber sicherlich, sich von der Anstrengung abzulenken.

Graubünden Route Landschaft
Nach ungefähr einem Drittel der Steigung bietet Bergün (55 km) mit seinem Eisenbahnmuseum einen weiteren Grund, sich auszuruhen. Der größte Teil der Strecke, verläuft parallel zur Eisenbahnlinie, die durch gewagte technische Meisterleistungen ermöglicht wurde. Diese Reise ist also auch für ihre nicht radfahrenden Freunde geeignet, die ihnen mit der Bahn folgen können.  Weiter geht es den Berg hoch und man erreicht den spektakulaeren Albulapass (2315 Meter; 68 km von Chur) und eine Gaststätte, die Kost und Unterkunft anbietet.

Albulapass

Nun geht es  steil abwärts  ins Engadintal, das Tal des Flusses Inn (En). Man folgt dem Fluss nach links (Nord-Osten) in eine  Ebene, die weiterhin leicht abwärts führt. Wir sind in einem sehr touristischen Gebiet (etwas weiter oben befindet sich St. Moritz), aber auch hier vermeiden wir fast immer die stark befahrenen Straßen. In Zernez (98 km), ein weiteres malerisches Dorf, befindet sich in einem sehr hässlichen Neubau der Sitz des interessanten Besucherzentrums des Schweizerischen Nationalparks. Je weiter man radelt, desto mehr nimmt die Wasserstaerke des Flusses Inn zu, gespeist durch die Bäche, die von den Bergen stürzen und es bieten sich immer wieder unvergessliche Anblicke. In Lavin (109 km) entfernt sich die Route vom Talboden und man muss  einige Steigungen bewältigen.

Graubuenden Route Landschaft
In dieser Teilstrecke ist Ardez (Dt. veraltet: Steinsberg, 118 km) der einzige Ort, der seit 1622 nicht Opfer von  Bränden oder anderen Verwüstungen war. Es sind also noch einige Gebäude der Epoche vorhanden, die von der Bergruine Steinsberg, hoch  oben auf einem Hügel in der Nähe des Dorfes, beherrscht werden. In der Nähe des Städtchen Schuls (Scuol, 128 km), der Hauptort des Unterengadins, beginnt man wieder am Fluss Inn zu radeln. Hier kann man sich wieder stärken, auch dank der warmen Quellen, die aus der Erde sprudeln. Das Ende unsere Reise ist nicht mehr weit und da wir sie mit einem Krug Bier in Chur begonnen haben, möchten wir Sie auf den Ort Schleins (Tschlin) aufmerksam machen. Hier wird das echte Engadiner Bier, “Biera Engiadinaise” oder im Volksmund Tschliner Bier aus “Gran Alpin”-Malz (aus biologischen Berggetreide) gebraut. Aber man muss es sich erobern und 500 Höhenmeter bergauf radeln, um in das Dorf zu gelangen. Etwas weiter, in Martinsbruck (Martina, 149 km) endet der erste Routenarm der nationalen Radroute Nr.6, während das Engadintal sich  in Österreich weiter fortsetzt. Man kann von  Schuls (Scuol) einen Zug nach Chur oder Bellinzona nehmen.

Landkarte Teilstrecke Chur  – Bellinzona

Höhenprofil Teilstrecke Chur – Bellinzona

Graubuenden Route Hoehenprofil

Track GPS    –    Track KML

Beschreibung Teilstrecke Chur – Bellinzona

 

Wie schon erwähnt, stimmen die ersten 25 km, genauer bis zum Dorf Thusis, der zwei Routenarme überein. Dieses Mal folgen wir aber dem Tal des  Hinterrheins.

Graubuenden route, Google Earth

Die Stelle, in dem die zwei Routenarme sich trennen: in Grün: Chur – Martinsbruck, in Rot: Chur – Bellinzona

Man radelt  ungefähr 6 km in der sehr engen Schlucht Viamala mit fast senkrechten Wänden. Dann öffnet sich das Tal wieder auf der Höhe des Dorfes Zillis (33 km), in dem sich die “Sistina der Alpen” befindet, die romanische  Kirche von St. Martin mit einer bemalten Decke. In 153 quadratischen Bildtafeln wird die Erde nach mittelalterlicher Vorstellung dargestellt.

zillis
Ab dem Dorf Andeer (37 km) steigt die Strecke etwas mehr an, aber am See Sufers (46 km) gönnt sie uns eine Verschnaufspause. Der anstrengendste Teil  beginnt am Kilometer 62; hier verlässt man das Tal des Hinterrheins und man erklimmt auf einer 7 km langen Steigung mit einer Durchschnittssteigung von 6,7 %  den San-Bernardino-Pass.

San Bernardino Pass

Die Stelle, an der man das Hinterrheintal verlässt in Richtung San-Bernardino-Pass.

Von ein paar kleinen Ausnahmen abgesehen sind die Steigungen zu Ende.
Es geht nun steil den Berg herunter bis zum Anfang vom Tal des Flusses Moesa, der kleine malerische Seen formt. Nach einer anderen kleinen Steigung (500 m), befindet man sich gegenüber der Ruine der Burg Mesocco, ehemaliger Wachtposten der Alpinpässe.

Burg Mesocco
Auf der Höhe von Mondan (99 km) lohnt es sich einen kurzen Abstecher zum Wasserfall “del Groven” zu machen, der 70 m hoch ist. Es ist nicht mehr weit bis zum Ende unserer Reise. Der Fluss Moesa fließt in das größere Tal vom Fluss Tessin und man folgt ihm abwärts in Richtung Süden bis zu dem nahen Bellinzona. Es lohnt sich in Bellinzona zu verweilen, um sich zu erholen und um die Stadt  mit ihren drei Burgen und die Umgebung zu besichtigen. Die drei Burgen Castelgrande, Castello di Montebello und Castello di Sasso Corbaro gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Bellinzona

Verbindungen zu anderen Strecken

Auf ihrer Strecke von England nach Apulien durchquert die Eurovelo 5 (via Francigena – die Frankenstraße) auch Bellinzona. Indem man der EV 5 nach Norden folgt und auf der Höhe von Andermatt nach Osten abbiegt, kann man dann auf der Eurovelo 15 (der Radweg des Rheins) bis nach Chur gelangen. Auf diese Weise erhält man eine lohnende Rundstrecke. Die Stadt Martinsbruck hingegen liegt auf der Strecke der Via Claudia Augusta, die Venedig mit der Donau verbindet.

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